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Hygiene in der Praxis Dr. Helge Hanitzsch

Raumdesinfektion durch Kaltvernebelung mit H2O2

Wir führen Raumdesinfektionen durch Kaltvernebelung mit Wasserstoffperoxid (H2O2) durch. Das Verfahren ergänzt die Wischdesinfektion in besonderen Situationen, etwa bei einem Ausbruchsgeschehen – es ersetzt sie nicht. Voraussetzung sind gereinigte, abgedichtete und leere Räume, die erst nach einer Messung der Raumluft wieder freigegeben werden.

Bei einer Raumdesinfektion sollen alle Oberflächen eines geschlossenen Raums gleichzeitig mit einem vernebelten oder verdampften Desinfektionsmittel erfasst werden. Wir führen Raumdesinfektionen durch Kaltvernebelung mit Wasserstoffperoxid (H2O2) durch. Das Verfahren ist eine Ergänzung: Reinigung und Wischdesinfektion nach Ihrem Hygieneplan bleiben die Grundlage jeder Flächenhygiene.

Wie funktioniert die Kaltvernebelung mit H2O2?

Ein Vernebelungsgerät zerstäubt eine H2O2-Lösung ohne Erhitzen zu einem sehr feinen Nebel. Er verteilt sich im abgedichteten Raum und schlägt sich auf den Oberflächen nieder. Wasserstoffperoxid wirkt nur dort, wo es die Oberfläche direkt erreicht, und zerfällt anschließend zu Wasser und Sauerstoff. Betreten wird der Raum erst wieder, wenn die Konzentration in der Raumluft gemessen und unter den zulässigen Wert gefallen ist.

Wann ist eine Raumdesinfektion sinnvoll?

Nach der Desinfektionsmittelliste des Robert Koch-Instituts ist eine Raumdesinfektion nur anzuwenden, wenn besondere Infektionsgefahren bestehen oder die Wischdesinfektion allein unzureichend sein könnte. Die KRINKO zählt die H2O2-Vernebelung nicht zur Basishygiene; sie kann ergänzend bei der Schlussdesinfektion oder der Ausbruchsbekämpfung eingesetzt werden. Empfohlen wird sie von der KRINKO nur zusätzlich zur regulären Flächendesinfektion und nur bei Ausbrüchen, die sich mit der üblichen Wischdesinfektion nicht beenden ließen.

Typische Anfragen betreffen:

  • ein Ausbruchsgeschehen, bei dem die Wischdesinfektion allein nicht ausgereicht hat
  • Räume, in denen Menschen mit multiresistenten oder besonders umweltstabilen Erregern versorgt wurden
  • die Wiederinbetriebnahme sensibler Bereiche nach Sanierung oder Umbau

Ob eine Raumdesinfektion im Einzelfall fachlich angezeigt ist, prüfen wir vorab gemeinsam mit Ihnen im Rahmen unserer Hygieneberatung – in medizinischen Einrichtungen auf Grundlage der KRINKO-Empfehlung und in Abstimmung mit den Hygieneverantwortlichen, bei einem Ausbruch gegebenenfalls auch mit dem Gesundheitsamt.

Wo liegen die Grenzen des Verfahrens?

  • Kein Ersatz für die Reinigung: H2O2 wirkt nur auf optisch sauberen Oberflächen. In Blutresten wirkt es nicht, in Flüssigkeitsansammlungen ist die Wirkung unsicher.
  • Abhängig vom Raum: Raumgröße, Einbauten, Textilien und Luftströmung beeinflussen das Ergebnis. Die Wirksamkeit muss deshalb für den konkreten Einsatz überprüft werden.
  • Nur in leeren Räumen: Während der Vernebelung dürfen sich keine Menschen oder Tiere im Raum aufhalten; H2O2 reizt bereits in geringer Konzentration die Atemwege.
  • Materialien: Materialschäden sind möglich. Für Medizinprodukte, die im Raum bleiben, fehlt in der Regel eine Freigabe des Herstellers.
  • Begrenzte Evidenz: Für den Einsatz bei der Schlussdesinfektion spricht die KRINKO derzeit keine Empfehlung aus, weil die vorliegende Evidenz nicht ausreicht.

Wie läuft eine Raumdesinfektion ab?

  1. Anfrage und Bewertung: Wir klären Anlass, Erreger, Raumgröße und Ausstattung und stimmen uns mit den Hygieneverantwortlichen ab.
  2. Vorbereitung: Der Raum wird gereinigt und wischdesinfiziert. Schränke und Schubladen werden geöffnet, empfindliche Geräte geklärt und die Lüftungsanlage abgeschaltet.
  3. Abdichten und Sichern: Türspalten, Lüftungsöffnungen und andere Verbindungen zu Nachbarbereichen werden abgeklebt, der Zugang wird gesperrt.
  4. Vernebelung und Einwirkzeit: Das Gerät bringt die festgelegte Menge H2O2 aus; die Einwirkzeit richtet sich nach den Vorgaben des Verfahrens.
  5. Freimessung: Der Raum wird erst freigegeben, wenn die H2O2-Konzentration nachweislich unter den Arbeitsplatzgrenzwert von 0,5 ppm gefallen ist.
  6. Protokoll: Sie erhalten ein Protokoll mit Angaben zum Raum, zur eingesetzten H2O2-Menge und zur Freimessung. Auf Wunsch prüfen wir das Ergebnis zusätzlich mit Abklatschproben.

Sicherheit und rechtlicher Rahmen

Das eingesetzte Mittel ist ein Biozidprodukt. Es muss nach der EU-Biozidverordnung (Verordnung (EU) Nr. 528/2012) verkehrsfähig sein und ist so zu verwenden, dass der Biozideinsatz auf das notwendige Mindestmaß begrenzt bleibt. Voraussetzung für die Anwendung ist nach der KRINKO-Empfehlung ein Wirksamkeitsnachweis des Herstellers; die Empfehlung verweist dazu auf die Prüfnorm DIN EN 17272 für die luftübertragene Raumdesinfektion. Weil die Wirkung von den Bedingungen vor Ort abhängt, ist sie zusätzlich im Praxistest zu überprüfen.

Angebot anfordern

Der Aufwand hängt von Raumgröße, Anzahl der Räume und Anlass ab. Beschreiben Sie uns kurz Ihre Situation – wir beraten Sie und erstellen Ihnen ein Angebot. Sprechen Sie uns an.

Häufige Fragen

Ersetzt die H2O2-Vernebelung die Wischdesinfektion?

Nein. Wasserstoffperoxid wirkt nur auf optisch sauberen Oberflächen und in Blutresten gar nicht. Nach KRINKO und Robert Koch-Institut ist die Vernebelung deshalb nur als Ergänzung zu einer vorher durchgeführten Reinigung und Wischdesinfektion sinnvoll.

Wann darf ein Raum nach der Kaltvernebelung wieder genutzt werden?

Erst wenn gemessen wurde, dass die H2O2-Konzentration in der Raumluft unter den Arbeitsplatzgrenzwert von 0,5 ppm gefallen ist. Wie lange das dauert, hängt vom Raum und von der Lüftung ab; eine pauschale Zeitangabe ist deshalb nicht möglich.

Ist die H2O2-Vernebelung für Geräte und Medizinprodukte unbedenklich?

Nicht automatisch. Wasserstoffperoxid kann Materialien schädigen, und für Medizinprodukte liegt in der Regel keine Freigabe des Herstellers für dieses Verfahren vor. Empfindliche Geräte werden deshalb vorab geklärt und gegebenenfalls aus dem Raum entfernt oder gesondert desinfiziert.

Wirkt die Kaltvernebelung gegen alle Erreger?

Die Wirksamkeit hängt vom Mittel, vom Gerät und von den Bedingungen im Raum ab. Sie muss vom Hersteller nachgewiesen und für den konkreten Einsatz überprüft werden. Pauschale Prozentangaben zur Keimreduktion nennen wir deshalb nicht.

Fragen zu Lehrgängen, Beratung oder Gutachten?

Dr. Helge Hanitzsch berät Sie persönlich – telefonisch, per E-Mail oder in einem kurzen Online-Termin.